Sicherheitsbeauftragter, Ausgabe 04/1989
Abdichtblase für Regeneinläufe und Kanalschächte
Das Problem ist bekannt:
Ein Tankfahrzeug oder ein mit Fässern beladenes Sonderfahrzeug kommt auf der Straße außer Kontrolle, kippt um oder verliert Fässer. Kraftstoff oder Chemikalien fließen aus und gelangen über die Kanalisation zur Kläranlage und von dort ins Grundwasser.
Oder in Verbindung mit einem Brand muß gelöscht werden, und mit dem Löschwasser kommen die Chemikalien oder dergl. in die Kanalisation.
Absperrung der Einläufe
In solchen Katastrophenfällen sollten die Einlaufe abgesperrt werden. Möglichst dicht. Bisher erfolgte dies mit Hilfe von Sandsäcken oder Gummimatten, die zwar einen gewissen Widerstand gegen die abfließenden Stoffe oder Flüssigkeiten boten, aber letztlich doch nicht verhindern konnten, was verhindert werden soll.
Theorie
Theoretisch wäre es natürlich möglich, alle Kanalschächte mit einer Verschlußeinrichtung auszustatten. Dieser Gedanke liegt zwar nahe, aber er ist leider praxisfremd. Eine Umrüstung der vorhandenen Schächte kostet viel Geld, und bis die Umrüstung beendet wäre, würden - so schätzt man - 15 oder mehr Jahre vergehen. Außerdem ist diese Idee wegen des möglichen Mißbrauchs auf öffentlichen Verkehrsflächen nicht geeignet.
Die Lösung: Mobile Abdichtung
Deshalb ist der Gedanke, eine mobile Abdichtung dort einzusetzen, wo man sie gerade braucht, sicher eher in die Praxis umzusetzen.
Schachtabdichtblase
Eine neue Schachtabdicht-blase kann das Einlaufen von solchen unerwünschten Stoffen in das Kanalnetz bei Unfällen oder Löscharbeiten verhindern. Viele Stoffe und Flüssigkeiten können jetzt vor ihrem Einlaufen in das Kanalnetz zurückgehalten werden und - bevor sie großen Schaden verursachen -oberirdisch abgepumpt oder mit Öl-, Kraftstoff- und Chemikaliensperren aufgenommen werden.
Flexibler Einsatz
Abdichtblase kann bei Katastropheneinsätzen von den Feuerwehren, dem Technischen Hilfswerk oder anderen Sonderdiensten des Kanalunterhalts oder der Polizei mitgeführt werden. Natürlich sollten solche Blasen auch von den möglichen Verursachern der Katastrophen, den Fahrzeugen von Flüssigkeitstransporten, mitgeführt werden.
Beschreibung der Blase
Die Abdichtblase besteht aus zwei besonderen Materialschichten, wodurch
- eine enorm große Dehn- und Anpassungsfähigkeit an die unregelmäßigen Innenkonturen des Schachtes und
- die Beständigkeit gegen Treibstoffe, Öle, Fette, Säuren, Laugen, viele Lösungs- und Reinigungsmittel und weitere Chemikalien sowie verunreinigtes Löschwasser
erreicht wird.
Leicht und handlich
Die Blase wiegt nur ca. 1 kg und hat ungefüllt folgende Maße: Länge/Breite/Dicke: 600/300/20 mm. Zusammengelegt hat sie in einem kleinen Kasten Platz (siehe Bilder), so groß wie der kleine Erste-Hilfe-Kasten für Pkw.
Einsetzen und aufblasen
Die Abdichtblase wird nach Entfernen des Einlaufdeckels mit geeigneter Zange (und - wenn vorhanden - nach Herausnahme des Schmutzkorbs) zu zwei Drittel in den Schacht eingeführt (siehe Bilder). Aufgefüllt wird sie über ein an der Blase angebrachtes normales Pkw-Ventil mit Kompressor, Druckluftflasche, einer üblichen Luftpumpe oder - wesentlich leichter und schneller - mit einer der Packung beiliegenden kleinen Einweg-Druckluftkapsel (siehe Bilder).
Füllung mittels Druckluftkapsel
Bei Füllung mittels der Kapsel wird ein besonderer Anstich-Adapter vor Einführen der Blase in den Schacht auf das Ventil und die Kapsel auf den Adapter geschraubt, bis die Druckluft aus der Kapsel in die Blase strömt. Bei sehr großen Schächten müssen gegebenenfalls zwei oder noch mehr Kapseln verwendet werden. Die Blase hält das aus; sie kann einen Durchmesser von (vorsichtig gesagt) bis zu 100 cm erreichen (siehe Bilder). Ein Normalschacht hat einen Durchmesser von max. 62,5 cm.
Bei Einsatz durch Feuerwehren können übrigens auch übliche Preßluftatmer zum Befüllen der Blase verwendet werden.
Nach dem Einsatz
Nach jedem Einsatz sollte die Blase einer Sichtkontrolle auf Risse oder äußere Beschädigungen unterzogen werden. Der Hersteller hat seine Abdichtblase auch nach dem Gerätesicherheitsgesetz prüfen lassen. Er darf sie mit dem GS-Zeichen - für den erstmaligen Einsatz - versehen.
Verhütung von Katastrophen
Das Abdichten von Wassereinläufen und Kanalschächten auf den Straßen nach Katastrophen-Unfällen, um zu verhindern, daß Gefahrstoffe in das Kanalnetz und damit ins Grundwasser gelangen, wird die Arbeit der Einsatzkräfte, wie Feuerwehren etc., bestimmt erleichtern. Denn ein Einsteigen in Kanalschächte zur späteren Entsorgung mit den damit verbundenen Gefährdungen kann entfallen. Gewiß wird dieses Hilfsmittel Eingang in die Praxis für solche Notfälle finden. Der Umwelt und der Arbeitssicherheit zuliebe.






